Blutorangen

Blutorangen im Quick Check

Ich liebe Blutorangen, aber wie es immer so ist, kauft man meist nur wenige und sobald man festgestellt hat, dass diese besonders lecker waren gibt es schon keine mehr davon – oder die neu gekauften schmecken plötzlich vollkommen anders.

Blutorangen schmecken deutlich intensiver als ihre „unblutigen“ Verwandten, sie enthalten je nach Sorte unterschiedliche Mengen an Vitamin B, C, E sowie Kalium und Kalzium und sind neben dem Attribut lecker daher auch äußerst gesund & fotogen.

Die Farbe des Fruchtfleisches bei Blutorangen wird durch Anthocyan hervorgerufen – die Menge an Anthocyan ist abhängig von Temperaturschwankungen über den Tag und hat auch Einfluss auf den Farbanteil der Schale (Exokarp, Flavedo). Besonders “ansehnliche” Früchte finden sich in der Nähe des Vulkans Ätna, aber auch in den USA, Südafrika und dem gesamten Mittelmeerraum.

Die, je nach Sorte (Moro, Sanguine, Tarocco,  u.a) mal stärkere oder weniger stark ausgebildete weiße Schicht zwischen Schale und dem Fruchtfleisch nennt sich Mesokarp oder auch Albedo. Hier liegt – wie auch bei herkömmlichen Orangen – beim Verzehr oftmals der größte “Störfaktor“, denn die meisten Leute möchten so wenig davon mitessen wie möglich.

Daher muss nach dem Schälen sehr oft ein aufwendiges Putzen erfolgen – wenn man dies selber machen muss, ist der Genuss oftmals schon getrübt. Zudem kommt es oft vor das beim zu intensivem Auspressen von Saftorangen, das Albedo den Saft bitter werden lässt. Was zudem stört ist das bereits beim Schälen, aber spätestens beim Putzen Saft aus dem Fruchtfleisch austritt, der die ganze Angelegenheit dann oftmals recht klebrig werden lässt.

Ob die Blutorangen Kerne hatten, war mir in diesem CheckIt nicht so wichtig – wenn man bedenkt das sich naturgemäß Obst über seine Samen, respektive Kerne vermehrt, kann man Kernlosigkeit – auch wenn es mehr Freude beim Essen macht – nicht wirklich als Pluspunkt werten. Wären allerdings über den Maßen viele Kerne in einer Frucht gewesen, hätte ich dies zumindest angemerkt. In Summe waren es bei drei verkosteten Früchten lediglich sechs Kerne.

Es gibt mehrere Sorten der sogenannten Blutorange – meist werden bei uns die Moro (tiefrot) & Tarocco (leicht rot durchzogen) angeboten. Eine gute Option sich nicht mit den Sorten beschäftigen zu müssen, ist es beispielsweise sich an den Anbietern zu orientieren.

Diese Blutorangen haben dann meistens eine Produktbezeichnung und man ist so etwas zielsicherer bei dem was während des Einkaufs  in die Hände bekommt. Eine Garantie gibt es aber nie.

Für dieses kleine CheckIt habe ich beim Berliner KaDeWe drei verschiedene Blutorangen-Sorten eingekauft. Warum im KaDeWe? Zum einen, weil es Freude macht dort Kulinarisches zu shoppen, zum anderen, weil nur sehr, sehr wenige Geschäfte standardmäßig mehr als die Moro im Portfolio haben.

Nach meinem Besuch der Fruit Logistica 2017 habe den Beitrag noch um fünf weitere Blutorangen erweitern können.

Ganz wichtig: In meinem Fokus standen Geschmack, Handling & Aussehen.

Weiterführendes Wissen zu Sorten, Anbaugebieten und Eigenschaften der beschriebenen Früchte findet Ihr beispielsweise bei Wikipedia oder auf den jeweiligen Produzenten Webseiten.

Blutorangen

 

Anbieter KaDeWe

Der Produzent war leider nicht benannt, die Sorte Moro, Herkunft Italien/Sizilien

Plus

Die Moro war recht süß, hatte aber trotz allem ausreichend Säure um nicht langweilig zu schmecken. Im Biss war diese Orange ausreichend fest und das Fruchtfleisch von kräftiger roter Farbe.

Minus

Die Moro ließ sich verhältnismäßig schlecht pellen und musste im Anschluss aufwändig geputzt werden.

Moro
Moro

Auf einer Skala von 0-5, erhält die Moro von mir 3-4/5 Punkte.

 

Anbieter Sanlucar

Sanlucar “Rote Sonne“, Sorte nicht benannt – vermutlich aber eine Tarocco, Herkunft Italien/Sizilien

Plus

Die Sanlucar Blutorangen ließen sich extrem gut pellen und es blieb auch sehr wenig Albedo an den Früchten haften, womit kein Putzen mehr nötig war und die Frucht sogleich genossen werden konnte. Diese Blutorange war sehr saftig und hatte ein ausgewogenes Süße / Säure Verhältnis.

Minus

Die Sanlucar weist nur ganz geringe Spuren roten Pigmente auf und lässt sich daher als Blutorange manchmal nur schwer identifizieren.

Sanlucar
Sanlucar

Auf einer Skala von 0-5, erhält die Sanlucar von mir ganze 5/5 Punkte.

 

Anbieter Struwwelpeter

Struwwelpeter, Sorte nicht benannt, Herkunft vermeintlich Italien/Sizilien

Plus

Die Struwwelpeter eignen sich auf Grund ihres Looks sicher gut für die Food-Fotografie.

Minus

Die Struwwelpeter ließ sich im Vergleich verhältnismäßig schlecht pellen und musste im Anschluss zusätzlich aufwändig geputzt werden. Sie war nur mittelmäßig saftig und das Fruchtfleisch deutlich weniger rot als beispielsweise bei der Moro. Vor allem aber hatte die Struwwelpeter sehr viel Säure und erinnerte geschmacklich stark an eine Zitrone.

Struwwelpeter
Struwwelpeter

Auf einer Skala von 0-5, erhält die Struwwelpeter von mir nur 2-3/5 Punkte.

 

[Update 2017-02-20]

Im Rahmen der Fruit Logistica 2017 habe ich fünf weitere tolle Blutorangen gefunden und im Folgenden für Euch in den CheckIt vom Januar aufgenommen

 

Anbieter Il Fragolino (Arancia Rossa)

Die Il Fragolino eignen sich auf Grund ihres tollen & natürlichen Looks extrem gut für die Food-Fotografie.

Plus

Diese Blutorange macht Ihrer “Zunft” alle Ehre – sie sieht super aus, kommt mit Blattwerk daher, duftet sehr intensiv und hat einen bestechenden Geschmack. Sie hat gerade genug Süße gepaart mit typisch kräftigen “Vulkan Aroma“. Zudem löst sich beim Pellen die Frucht leicht aus und hat kaum Albedo am Fruchtfleisch.

Minus

Keines

Il Fragolino
Il Fragolino

Auf einer Skala von 0-5, erhält die Il Fragolino von mir ganze 5/5 Punkte.

 

Anbieter Moretti

Die Moretti, dem Aussehen nach eine Tarocco, eignet sich bedingt für die Food-Fotografie.

Die Moretti, dem Aussehen nach eine Tarocco, eignet sich bedingt für die Food-Fotografie.

Plus

Das Innere dieser Blutorange hat einen guten Look – leicht rot durchzogen macht sie zumindest Innen schon etwas her. Sie weist etwas mehr Säure auf als einige andere Sorten, aber das Verhältnis ist subjektiv gesehen noch OK. Die Moretti ist zudem sehr saftig und lässt sich gut pellen.

Minus

keines

Moretti
Moretti

Auf einer Skala von 0-5, erhält die Moretti von mir 4/5 Punkte.

 

Anbieter Valensina Sanguinelli (aus Spanien)

Die Valensina Sanguinelli , eine Orange zum Saften.

Plus

Die Früchte haben einen super Blutorangen Look der sich im Inneren allerdings nicht derart “wiederholt”. Diese Blutorange hat einen ausgewogenen Säureanteil und eigener sich in diesem Kaliber hervorragend als Saftorange.

Minus

Das Innenleben ist optisch mäßig interessant, dass Albedo leider sehr kräftig und die Frucht aufwändig zu Pellen.

Sanguinelli
Sanguinelli

Auf einer Skala von 0-5, erhält die Valensina Sanguinelli von mir 3-4/5 Punkte.

 

Anbieter IGP (Sizilien)

Unter den Begriff  Arancia Rossa di Sicilia fallen die Sorten Moro, Sanguinello und Tarocco. Die IGP hat es sich zum Ziel gesetzt eine geschützte geografische Angabe zu etablieren – ebenso wie z.B. beim Balsamico. Bei den direkt auf dem IGP Stand angebotenen Blutorangen handelte es sich überwiegend um die Sorte Tarocco.

Plus

Die IGP Blutorange ließ sich sehr leicht pellen, war auffällig süß.

Minus

Neben der Süße fehlte leider der gewisse Anteil an Säure und somit das erhoffte geschmackliche “Feuer”. Zudem war die IGP nicht so fotogen und wirkte von außen eher wie eine ganz normale Orange – von Innen dann wie die anderen Taroccos auch.

IGP
IGP

Auf einer Skala von 0-5, erhält die verkostete IGP von mir 3-4/5 Punkte.

 

Anbieter Rosaria

Die Rosaria stammt ebenfalls aus der Region um den Ätna und eignet sich im verkosteten Kaliber meines Erachtens eher für Saft, als zum direkten Verzehr. Allerdings baut der Produzent darüber hinaus alle bekannten sizilianischen Blutorangen-Sorten und auch einige Kreuzungen an.

Plus

Die Rosaria ließ sich einfach pellen, war recht süß und saftig. Das Innere sah sehr nach Moro aus – ob dem so ist oder hier eine Kreuzung mitgegeben wurde war nicht klar.

Minus

Anders als beim Inneren kann man der Rosaria ganz klar ein langweiliges Äußeres bescheinigen. Die Frucht hatte deutlich zu wenige Säure / Feuer.

Rosaria
Rosaria

Auf einer Skala von 0-5, erhält die Rosaria von mir 3/5 Punkte.

 

Fazit [2017-01-29] 

Aus meiner Sicht ist der Gewinner dieses kleinen CheckIt ganz klar die Blutorange “Rote Sonne“ von Sanlucar. Diese Orange hat neben der herausragenden geschmacklichen Aspekte vor allem auch durch ihr gutes „Handling“ überzeugen können.  Man konnte sie ohne viel Aufwand und klebrige Hände genießen und hatte trotz allem eine auffällig frische und saftige Frucht.

 

Fazit Update [2017-02-20]

Nach der Verkostung weiterer fünf Sorten muss ich mich korrigieren. Mein absoluter Top Favorit ist die Il Fragolino. Nicht nur das die Mitarbeiter diese Produzenten am authentischsten schienen – die Früchte waren ebenso ein Augenschmaus wie sie geschmacklich eine ganze Kategorie über allen anderen anzusiedeln waren. Hier schmeckte man das Feuer des Ätna formlich heraus – Respekt für so viel Liebe zur Frucht und einem solch guten Ergebnis “der handwerklichen Kunst”.

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