Mollydooker

Bis ins Jahr 2005 hatte ich sehr wenige Berührungspunkte mit Weinen und wenn dann nahezu ausschließlich mit den “Roten”.  Die ersten Flaschen, sprich die, die mich für den Geschmack australischen Weines einnahmen waren zwei Flaschen Pertaringa (Shiraz) aus dem Jahre 2000 – wobei ich eine davon erst 2011 geöffnet habe – erst da merkte ich wie wenig in einer Flasche doch sein kann – der Wein war inzwischen bernsteinfarben und aus meiner Sicht von unvergleichlicher Qualität.

Ein paar Monate später lernte ich im Rahmen eines Essens in Leverkusen meinen ersten Mollydooker kennen. Wer hätte das Gedacht, Leverkusen trägt ja an sich nicht das Prädikat der Verheißung…nun ja es war trotz allem ein schöner Abend im “Löwen” und ich kam zum Abschluss in den Genuss eine noch verschlossene Flasche Boxer 2005 mit auf den Weg zu bekommen – da war der Grundstein gelegt….

Der Boxer, zu dieser Zeit noch ein “Rising Star”, war eben aus diesem Grunde noch eher schwer zu bekommen – beim Weingut Mollydooker in Australien war dieser leider bereits vergriffen und in Deutschland nirgends vorrätig. In meiner “Not” wandte ich mich dann um 2008 an den weinlakai.de (Tobias) und siehe da, er konnte mir den Kontakt zu einem dänischen Händler (Tom von Atomwine) herstellen, der mir – wunderbarerweise ein paar Flaschen überließ und so begann meine bis dato achtjährige “Weinreise” in die Welten des – vor allem australischen – Shiraz.

Diese ersten Flaschen haben von 2008 bis 2013 gehalten, trotz Wertsteigerung habe ich natürlich keine einzige davon verkauft und nur in Momenten großer Zuneigung einigen lieben Freunden die eine oder andere angedeihen lassen.

Seitdem habe ich viele verschiedene Mollydooker Weine und Jahrgänge genießen dürfen – wobei sich natürlich  Vorlieben für bestimmte Weine und auch Jahrgänge ergeben haben.

Aktuell beziehe ich meine Mollydooker Weine bei Niklas von Aixvinum in Aachen – ein Mensch mit dem ich die Liebe zu diesen edlen Tropfen uneingeschränkt teilen kann.

Eine Eigenheit von Mollydooker Weinen hat sich für mich über die Jahre als besonders vorteilhaft herausgestellt – die Weine sind sozusagen Allergiker tauglich. Wer ab und an in Gesellschaft mal den einen oder anderen Rotwein genossen hat kennt das Problem der “spontanen Rotbackigkeit” sicher auch – besonders das weibliche Geschlecht reagiert oftmals in unterschiedlicher Form auf rote Weine und trinkt diese daher eher weniger oder mit vorbehalten.

Nun, Mollydooker hat sich sehr früh schon dazu entschieden seine Weine beim Abfüllen mittels Stickstoff (Nitrogen) zu verschließen, daher findet sich deutlich weniger Schwefel in diesen Weinen als bei anderen Weingütern weltweit (viele machen eben diesen Schwefelanteil für allergische Reaktionen verantwortlich).

Hieraus ergibt sich dann, neben den exzellenten Schraubverschlüssen, noch eine weitere Besonderheit, die Weinkennern den Schweiß auf die Stirn treibt – der Mollydooker Shake.

Der Mollydooker Shake basiert darauf aus der just geöffneten Flasche ein Glas abzugießen (wichtig noch nicht trinken) – so das der Füllstand noch bis zur Schulter der Flasche reicht, diese dann zu verschrauben und dann – wie ein Barkeeper einen Cocktail – leicht zu shaken. In der Flasche entsteht daraufhin Schaum. Nach dem erneuten Öffnen verflüchtigt sich dann der frei gewordene Stickstoff – dies wiederholt man einige Male bis sich nahezu kein Schaum mehr bildet und füllt den Inhalt dann beispielsweise in einen Dekanter seiner Wahl.

Nun sollte man in ein zweites Glas das Ergebnis einschenken und dann einmal beide Varianten miteinander vergleichen – ich wette mal jeder mit einer Zunge für Wein wird denken es handele sich um unterschiedliche Weine. Der Effekt ist wirklich einmalig – das Aroma und die einzigartigen Geschmackstoffe wurden in der ge-shakten Variante förmlich befreit – und dies schmeckt man deutlich. Ein Video hierzu findet Ihr unter dem Stichwort Moolydooker+Shake auf YouTube.

Aber Achtung, hierfür eignen sich natürlich nur Mollydooker Weine ohne Kohlensäure! Bei älteren Jahrgängen, die bereits viel Depot aufweisen, kann man im Anschluss an den Shake entweder ausreichend warten oder man dekantiert vor dem Shaken bereits in ein shake-fähiges Gefäß.

Meine aktuellen Mollydooker Favoriten sind der Reihe nach:

Boxer (Shiraz) [2005, 2006, 2008, 2012, 2013, 2015 & 2016]

Carnival of Love (Shiraz) [2010, 2012 & 2013]

Velvet Glove (Shiraz) [alle]

Enchanted Path (Shiraz Cabernet) [alle]

Blue Eyed Boy (Shiraz) [2009, 2010, 2014 & 2016]

Two Left Feet (Shiraz Cabernet) [2006, 2010]

Hierbei spielen die jeweiligen Jahrgänge natürlich eine Rolle – aber grundsätzlich kann man – so denke ich – hier kaum etwas falsch machen.

Im Zusammenhang mit Mollydooker Weinen fallen oft Begriffe wie left handed oder left fooded – In australischen Slang spricht man somit von einer Person die Linkshänder ist – einem Molly-Dooker. Zudem kann es natürlich durchaus sein das man nach etwas zu viel Wein auch  left “feet-ed” ist – siehe das Cover vom Two Left Feet.

Das hier beim Keltern jemand am Werke gewesen sein soll der zwei linke Hände hatte, drängt sich bei der Qualität der Tropfen aber keineswegs auf.

Soweit erst einmal an dieser Stelle zu meinen Lieblings-Weingut.